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Ein Wochenende voller Nähe und Tiefe

  • 4. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Im Dezember verbrachten die Teilnehmenden unseres aktuellen Qualifizierungskurses ein Seminar-Wochenende in Schöntal. Hier berichtet Julia davon, wie sie dieses erlebt hat.


„Ich empfand es als großes Geschenk, dass wir als Gruppe dieses Wochenende gemeinsam im Seminarhaus verbracht haben. Es hat uns den Raum gegeben, uns besser kennenzulernen und als Gemeinschaft zusammenzuwachsen. Dabei entstand eine neue Form der Vertrautheit untereinander.


Das Wochenende war für mich eine schöne Mischung aus gemeinsamer, intensiver inhaltlicher Arbeit und „leichter Zeit“ drumherum. In diesem geschützten Rahmen entstand eine besondere Atmosphäre, die es möglich machte, sich mit persönlichen, tiefgreifenden Themen auseinanderzusetzen. Zu erleben, was alles miteinander geteilt wurde, hat mich stellenweise sehr berührt. Ich glaube, wir sind dadurch füreinander nahbarer geworden. Gleichzeitig gab es viel Raum für Leichtigkeit – beim Essen oder beim Ausklingenlassen der Abende mit beschwingten Gesprächen. Alles, was eben so aufkam. Auch diese heiteren Momente haben uns näher zusammengebracht.

 

Selbsterfahrung als Fundament


Besonders war für mich die Auseinandersetzung mit den eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen und darin enthaltenen Lebensthemen. Solche Selbsterfahrungen finde ich immer höchst wertvoll: Einerseits, um mich selbst noch besser kennenzulernen und mir meiner „blinden Flecken“ bewusst zu werden – auch durch das Feedback der Gruppe. Andererseits bin ich fest davon überzeugt, dass ich nur mit Methoden gut arbeiten kann, die ich selbst erfahren habe. Nur dann kann ich abschätzen, welche Wirkung sie haben können, aber auch welche Grenzen.


Dementsprechend wertvoll war die abschließende Reflexion darüber, wie diese Form der Biographiearbeit in der Begleitung sterbender Menschen einzuordnen ist. Es wird für uns nicht darum gehen, die Methode genau so anzuwenden. Sie hilft uns aber, dem Menschen in seinem System und mit seiner persönlichen Geschichte mit noch mehr Bewusstheit und Respekt zu begegnen – und dabei gleichzeitig gut mit uns selbst im Kontakt zu bleiben.

 

Die Kunst des Zurückhaltens


In meiner psychotherapeutischen Arbeit erlebe ich es meist als besonders erfüllend, mit den Menschen tiefe innere Arbeit zu gestalten. Eine reine Symptombehandlung liegt mir eher fern; das kann kurzfristig entlasten, aber wie nachhaltig ist das, wenn die zugrunde liegenden Konflikte nicht bearbeitet werden? Ich arbeite daher gerne aufdeckend und klärend – natürlich immer vorausgesetzt, mein Gegenüber möchte das auch.


Durch das Wochenende und die Selbsterfahrung ist mir klar geworden, dass die Arbeit mit Sterbenden nur bedingt mit meinem therapeutischen Alltag vergleichbar ist. Egal, was ich zur Lebensgeschichte oder zu den Beziehungen eines Menschen erfahren werde: Oft wird es meine Aufgabe sein, mich mit meinen Gedanken und Impulsen dazu bewusst zurückzuhalten. Vielleicht ist es mal sinnvoll, eine Beziehungsklärung anzustoßen oder biografische Aspekte zu besprechen. Vielleicht aber auch gerade nicht. Das bestimmt einzig und allein der sterbende Mensch. Und der möchte vielleicht gar nicht mehr so viel.


In die Tiefe gehen – das kann ich. Doch für diese neue Aufgabe wird es für mich wichtig sein, auch mal bewusst an der Oberfläche zu bleiben und nicht zu viel zu wollen. Nicht jedes Fass muss zum Ende hin noch einmal geöffnet werden. Letztendlich zählt nur eines: Den Menschen darin zu unterstützen, was er braucht, um dieses Leben verlassen zu können.“



 Julia ist Teilnehmerin im aktuellen Qualifizierungskurs unseres Hospizdienstes. Sie berichtet in unregelmäßigen Abständen von ihrer Reise durch den Kurs und den Start in die ehrenamtliche Hospizarbeit.  

 
 
 

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