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„Wo ist jetzt das, was diesen Menschen wirklich ausmachte?“

  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Zum Qualifizierungskurs unseres Hospizdienstes gehören auch Praktika, die einen sehr unmittelbaren Einblick in das Lebensende und seine Begleitung geben. Julia hat dafür einen Tag in einem Bestattungsinstitut und mehrere Tage in einem Pflegeheim verbracht. Hier erzählt sie, was sie dabei erlebt – und was sie für ihre künftige ehrenamtliche Arbeit mitgenommen hat.


Julia, mit welcher inneren Haltung oder Erwartung bist du in die Praktika gestartet?

Ich war gespannt und neugierig, offen gestanden besonders auf das Praktikum im Bestattungsinstitut.


Was war das Erste, das du beim Betreten des Bestattungshauses wahrgenommen hast – und was hat das mit dir gemacht?

Als ich ankam, standen alle Mitarbeiter draußen, redeten, und es war ihnen anzumerken, dass nun ein ganz normaler Arbeitstag beginnt. Ich wurde freundlich empfangen und im Bestattungsinstitut herumgeführt. Der Anblick der vielen Auswahlsärge, der Urnen und des Abschiedsraums war für mich kein Problem. Das Betreten des Versorgungsraums löste dann schon leichte Beklemmungen aus. Von Anfang an fand ich es bemerkenswert, mit welcher Normalität und Unaufgeregtheit dort gearbeitet wurde, gleichzeitig mit viel Respekt, Wertschätzung und gutem Miteinander.


Gab es einen Moment, in dem du dem Sterben und dem Tod besonders nahegekommen bist? Wie hat sich das angefühlt?

Ich hatte an dem Tag die Möglichkeit, bei der Versorgung einer verstorbenen Frau mit dabei zu sein. Das war für mich anfangs noch etwas befremdlich. Der selbstverständliche und gleichzeitig so wertschätzende Umgang der Bestatterinnen mit der Verstorbenen half mir dann aber, mich in der Situation auch wohler zu fühlen. Ich betrachtete ihren Körper, und direkt kam eine Frage in mir auf: Wo ist jetzt das, was diesen Menschen wirklich ausmachte?


Was hast du über den Umgang mit Verstorbenen und mit Trauernden gelernt, das dich nachdenklich gestimmt hat?

Ich denke, wir können nichts falsch machen, wenn wir einfach wir selbst sind und den Menschen, sowohl den Verstorbenen als auch den Trauernden, offen, achtsam und respektvoll begegnen – in ihrer jeweiligen Situation, mit dem, was ihnen passiert ist. Hier können berührende Momente der Verbundenheit entstehen. Gleichzeitig dürfen wir uns ernstnehmen mit eigenen Befangenheiten, nicht über die eigenen Grenzen gehen, wenn wir noch einen Moment Zeit brauchen. Wir sollten nichts tun, was sich nicht wirklich stimmig anfühlt. Dann ist es nicht echt – dann kann ich für mein Gegenüber auch nicht hilfreich sein.

Die Mitarbeitenden des Bestattungsinstituts habe ich in all dem höchstprofessionell erlebt, darin aber eben auch authentisch, menschlich und berührbar. Tolle Vorbilder!


Neben dem Tag beim Bestattungsinstitut hast du auch ein paar Tage Praktikum im Pflegeheim absolviert. Wie war es für dich, in diesen Alltag einzutauchen?

Das Pflegeheim gefiel mir gut: hell, bunt, offen, lebendig. Ich fühlte mich wohl. Das letzte Pflegeheim, das ich privat besucht hatte, fand ich bedrückend. Es war schön, mein Bild zurechtrücken zu können. Ich wurde auf sehr angenehme Weise mit einbezogen und fühlte mich schnell bereit, auf die Bewohner zuzugehen.

An einem der Tage wären eigentlich fünf Pflegekräfte im Dienst gewesen. Drei waren aber wegen Krankheit ausgefallen. Ich erlebte die Pflegenden engagiert und motiviert. Doch wie sollen sie sich unter solchen Umständen wirklich Zeit nehmen für die Bewohner? Für alle an einem solchen Tag ist so eine Situation nicht ganz zufriedenstellend!


Gab es eine Begegnung mit einer Bewohnerin oder einem Bewohner, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ich hatte immer wieder Kontakt zu einer Dame, die als eher schwierig in ihrer Persönlichkeit galt. Einige Male beobachtete ich auch, wie sie unfreundliche Dinge zum Pflegepersonal sagte – doch ihre Not dahinter war spürbar. Ich glaube, für sie war es ganz schwer, jeden Tag damit konfrontiert zu sein, ihre Unabhängigkeit verloren zu haben. Wir sprachen viel, und ich erlebte sie sehr dankbar für die gemeinsame Zeit. Ich glaube, es tat ihr auch ganz gut, dass ich ihr unvoreingenommen begegnen konnte.


Welche Rolle kann aus deiner Sicht ein ehrenamtlicher Hospizdienst in einem solchen Pflegeheim spielen?

Ich glaube, Zeit und Aufmerksamkeit sind dort wirklich kostbare Geschenke, die sowohl von den Bewohnern und Bewohnerinnen und deren Angehörigen als auch von den Pflege- und Betreuungskräften dankbar angenommen werden. Es fehlen im normalen Arbeitsalltag einfach die Kapazitäten, um sich so ausgiebig um sterbende Menschen zu kümmern, wie es in vielen Fällen wichtig wäre. Hier können wir einen wichtigen Beitrag leisten.



Julia ist Teilnehmerin im aktuellen Qualifizierungskurs unseres Hospizdienstes. Sie berichtet in unregelmäßigen Abständen von ihrer Reise durch den Kurs und den Start in die ehrenamtliche Hospizarbeit.

 

 
 
 

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